Gefühle sind unglaublich wertvoll.
Sie informieren uns über unsere Bedürfnisse, Grenzen, Wünsche und Erfahrungen.
Sie zeigen uns, was uns wichtig ist.
Doch Gefühle haben eine kleine Eigenart:
Sie wollen sofortige Aufmerksamkeit.
Angst ruft:
„Mach etwas!“
Wut ruft:
„Sag etwas!“
Traurigkeit ruft:
„Zieh dich zurück!“
Begeisterung ruft:
„Mach es sofort!“
Gefühle sind schnell.
Bewusstsein ist langsamer.
Deshalb reagieren wir manchmal, bevor wir verstanden haben, was eigentlich passiert.
Das Gefühl ist echt – die Geschichte dazu nicht immer
Ein häufiger Irrtum:
Wenn ich etwas fühle, muss es wahr sein.
Nein.
Das Gefühl ist wahr.
Die Interpretation dazu nicht unbedingt.
Beispiel:
Du fühlst dich ausgeschlossen.
Das Gefühl ist real.
Die Geschichte dazu könnte lauten:
„Die mögen mich nicht.“
Vielleicht stimmt das.
Vielleicht sind die anderen aber einfach beschäftigt.
Vielleicht haben sie dich vergessen.
Vielleicht war ihr Akku leer.
Vielleicht hat ihr Hund auf das Handy gekotzt.
Wir wissen es nicht.
Gefühle liefern Informationen.
Unser Verstand erfindet häufig den Rest.
Und manchmal gewinnt dabei die Kreativität deutlich gegen die Realität.
Wenn Gefühle das Steuer übernehmen
Viele Menschen leben entweder gegen ihre Gefühle oder in ihren Gefühlen.
Beides macht das Leben anstrengend.
Gegen Gefühle
Das klingt so:
- Ich darf nicht traurig sein.
- Ich muss stark sein.
- Das sollte mich nicht verletzen.
- Reiß dich zusammen.
Das Problem:
Unterdrückte Gefühle verschwinden nicht.
Sie wechseln lediglich das Versteck.
Manchmal landen sie im Körper.
Manchmal in schlechter Laune.
Manchmal in schlaflosen Nächten.
Und manchmal tauchen sie genau dann wieder auf, wenn wir sie am wenigsten gebrauchen können.
In Gefühlen
Die andere Seite:
Jedes Gefühl bestimmt sofort unser Handeln.
Dann entscheiden Angst, Wut oder Unsicherheit über unser Leben.
Wir reagieren statt bewusst zu wählen.
Wir fahren emotional Achterbahn und wundern uns, warum uns schwindelig wird.
Die Kunst: Gefühle fühlen, ohne ihnen ausgeliefert zu sein
Emotionale Reife bedeutet nicht, nichts zu fühlen.
Emotionale Reife bedeutet:
Alles fühlen zu können, ohne von allem gesteuert zu werden.
Das ist ein großer Unterschied.
Ich kann Angst fühlen und trotzdem losgehen.
Ich kann Unsicherheit fühlen und trotzdem sprechen.
Ich kann Traurigkeit fühlen und trotzdem vertrauen.
Ich kann Wut fühlen und trotzdem respektvoll bleiben.
Das Gefühl darf da sein.
Es muss nicht regieren.
Das Bild vom Auto
Stell dir vor, dein Leben ist ein Auto.
Du sitzt am Steuer.
Deine Gefühle sitzen auf der Rückbank.
Alle dürfen mitfahren.
Die Freude singt laut.
Die Angst fragt alle drei Minuten, ob wir uns verfahren haben.
Die Wut beschwert sich über andere Verkehrsteilnehmer.
Die Traurigkeit schaut aus dem Fenster und hört melancholische Musik.
Alles völlig in Ordnung.
Problematisch wird es erst, wenn jemand von hinten nach vorne klettert und das Lenkrad übernimmt.
Denn dann wird die Fahrt meistens interessant.
Aber selten entspannt.
Warum Gefühle manchmal so mächtig werden
Gefühle werden oft dann übermächtig, wenn sie lange ignoriert wurden.
Ein Gefühl, das gesehen wird, beruhigt sich meist schneller.
Ein Gefühl, das ständig verdrängt wird, wird oft lauter.
Wie ein Kind, das immer wieder ruft:
„Hallo? Hört mir eigentlich jemand zu?“
Deshalb beginnt emotionale Freiheit nicht mit Kontrolle.
Sondern mit Wahrnehmung.
Die LIZENZ zum FÜHLEN
Die LIZENZ zum FÜHLEN bedeutet nicht, jedem Gefühl blind zu folgen.
Sie bedeutet auch nicht, Gefühle wegzudrücken.
Sie bedeutet:
Hinsehen.
Hineinspüren.
Verstehen.
Und dann bewusst entscheiden.
Nicht das Gefühl führt.
Nicht der Verstand allein führt.
Sondern du.
3 Tipps to go
- Stoppe für einen Moment
Wenn ein starkes Gefühl auftaucht, frage dich:
Was fühle ich gerade wirklich?
Nicht: Was denke ich?
Sondern: Was fühle ich?
- Trenne Gefühl und Geschichte
Schreibe zwei Sätze auf:
- Das Gefühl ist …
- Die Geschichte, die ich mir dazu erzähle, ist …
Dieser Unterschied verändert oft alles.
- Warte mit wichtigen Entscheidungen
Treffe keine großen Entscheidungen auf dem Höhepunkt starker Emotionen.
Gefühle dürfen gehört werden.
Entscheidungen profitieren oft von etwas Abstand.